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Schlagzeug stimmen – Wie geht das?

Schlagzeug stimmen – Wie geht das? Hallo und willkommen zur Free Lesson. Vor einigen Jahren habe ich ja schon mal eine ganze Reihe an Videos zu diesem Thema gemacht. Die verlinke ich jetzt nicht mehr, da sie doch etwas angestaubt und vor allem doch recht ausufernd geraten sind. Das Video zu diesem Thema ist zwar auch nicht gerade kurz. Aber deutlich allgemeiner gehalten. Ergänzend dazu folgen hier noch einige zusätzliche Ausführungen, die dir bei Stimmen deiner Trommeln helfen sollen. Auf geht’s

 

Schlagzeug stimmen – Die Physik dahinter


Im Grunde ist es ganz einfach. Wir haben auf unseren Trommeln zwei schwingende Membranen. Die obere (Schlagfell) erzeugt den Ton, die untere (Resonanzfell) verlängert diesen durch Mitschwingen. Letztere Membran spielt zudem für die Tongestaltung noch eine wesentliche Rolle. Der Kessel steuert durch Art der Kesselgratung und sein jeweiliges Material Klangfarben bei. Auf die Unterschiede, die sich aus diesen Faktoren ergeben könne, will ich hier nicht eingehen. Das würde den Rahmen sprengen. Wichtig ist fürs Schlagzeug stimmen nur folgendes:


Gleichmäßigkeit


Beide Felle sollten in sich sehr gleichmäßig aufgezogen werden. Sprich, die Spannung des Fells sollte so gleichmäßig, wie möglich sein. Das erreichen wir dadurch, dass wir die Stimmschrauben zunächst mit den Fingern handfest anziehen bis wir sie nicht mehr bewegen können. Das geht mit entsprechenden Stimmschlüssel aber auch mit den bloßen Fingern an den Gewinden der Stimmschrauben.

Ist dies gegeben, hilft es das Fell unter Spannung zu setzen, um zu sehen, ob sich eventuell Falten im Fell zeigen. Bei gewissenhafter Vorarbeit und leichtgängiger Hardware sollten sich kein Falten zeigen. Falls du dennoch Falten siehst, nimmst du diese durch Nachspannen heraus. Jetzt kannst du dir anhören, ob die Töne an den jeweiligen Stimmschrauben einigermaßen gleich klingen. Sollte dies nicht der Fall sein, kannst du die abweichenden Stimmschrauben angleichen.

Alternativ kannst du jetzt aber auch einfach die Spannung gleichmäßig erhöhen, in dem du überkreuz mindestens ein 1/8 Umdrehung die Stimmschrauben anziehst. Mehr geht natürlich auch. Das hängt von der jeweiligen Trommel und dem gewünschten Klang ab. Dazu später mehr. Spätestens jetzt sollte man die Tonhöhen an den einzelnen Stimmschrauben, wie oben beschrieben, überprüfen und möglichst nahe aneinander angleichen. Und nein, sie müssen nicht 100%ig gleich sein! Nur harmonisch sollte es klingen. Eine Annäherung reicht also völlig aus. Danach geht es mit dem eigentlichen Stimmen weiter.


Grundsätzliches zum Schlagzeug stimmen


Im nächsten Schritt kann man nach Belieben die jeweilige Trommel in der Tonhöhe anpassen, um den gewünschten Klang zu erzielen. Wie viel Spannung man jetzt anlegt, erkläre ich gleich. Zunächst sollte man aber sich klarmachen wie das Verhältnis zwischen Schlag und Resonanzfell den Klang beeinflusst. Da gibt es im Großen und Ganzen nur drei Möglichkeiten:

Sind beide Felle auf den gleichen Ton gestimmt, so klingt die Trommel am längsten. Wir haben einen sauberen und klaren Ton mit sehr viel Nachklang (Sustain). Ist das Resonanzfell etwas höher gestimmt, wird der Ton etwas kontrollierter, überträgt sich aber auch besser und noch klarer. Und im dritten Fall stimmen wir das Resonanzfell tiefer als das Schlagfell. Dadurch wird der Ton deutlich kürzer und der Ton fällt nach dem Anschlag auch ab.

Welche der drei Möglichkeiten du verwendest, hängt von der Musik und deinem persönlichen Geschmack ab. Im Jazz verwende ich gerne die zweite Methode. Aber auch John Bonham hat so sein Trommeln gestimmt. Die erste ist im Studio mit Sicherheit kein Fehler, da man hier ja oft den Klang der Trommel im vollen Umfang einfangen möchte. Das hängt aber auch wieder von der Musikrichtung ab. Im Metal oder Rock sowie in bei Funk und klassischem Soul braucht man z.B. nicht unbedingt Toms und Floor Toms, die ewig und drei Tage lang nachklingen. Nun zu den einzelnen Trommeln.


Die Snare


Die Snare ist ja doch recht speziell. Sie erfüllt gänzlich andere Aufgaben, als alle andern Trommeln am Schlagzeug. Wir haben hier einen Snareteppich und ein sehr dünnes Resonanzfell. Deshalb wird hier auch gänzlich anders gestimmt.Ich verwende hier mindestens eine Umdrehung an den Stimmschrauben auf beiden Seiten der Snare. Am Resofell kann man auch gerne 1 ½ bis zwei Umdrehungen anlegen. Es gibt auch viel Drummer, die ihr Resofell auf der Snare so hart wie möglich anziehen.

Das ist auch eine Möglichkeit. Ich mag das nicht so sehr. Du kannst es aber gerne einmal ausprobieren. Beginne erst mal mit einer Umdrehung und hör dir den Klang an. Etwas weniger Spannung auf dem Resofell lässt mehr Kesselton zu. Eine höhere Spannung sorgt für eine bessere Snareansprache.Du hörst halt mehr den Teppich, als den Kessle. Das Schlagfell kannst du nun auch gerne nach Belieben höher oder auch tiefer stimmen. Ganz nach Belieben und Anforderung der Musik. Du solltest es nur gleichmäßig tun.


Die Toms


Toms stimme ich immer so, dass das Resonanzfell etwas höher als das Schlagfell klingt. Eine kleine Terz ist hier mein Favorit. Will ich eine tiefere Stimmung haben, verwende ich oben wie unten zunächst eine 1/8 bzw. eine ¼ Umdrehung. Eine habe Umdrehung ist dann schon recht hoch und eher im traditionellen Jazz verwendbar.Die Intervalle ergeben sich bei mir aus den Kesselgrößen (10“/12“/14“ bzw. 10“ & 14“). Hat man ein 13“ Tom in Kombination mit geraden Kesseldurchmessern, kann dies etwas schwieriger sein. In diesem Fall sollt man das 12er und das 13“ Tom in sich stimmig aufeinander einstimmen. So ergibt sich ein harmonischerer Klang, als wenn man versucht das 13“ Tom zwischen das 12“ und das 16“ Floor Tom zu stimmen. Das klingt meist komisch. Floor Toms werden bei mir genauso gestimmt. Wer aber seine Standtoms, wie Bassdrums klingen lassen möchte, kann dies auch gerne tun. Wie das geht sehen wir jetzt.


Die Bassdrum


Bassdrums sind recht einfach zu stimmen. Oder eben auch nicht, je nachdem wie man es betrachtet und was man haben will. Das liegt in der Natur der Sache wir können nämlich in den tiefen Frequenzen nur noch schwer Unterschiede wahrnehmen. Bei höheren Stimmungen wir d es wieder einfacher. Aber außer im Jazz will die ja bei der Bassdrum keiner. Also geht es nur darum, eine möglichst gleichmäßige Spannung anzulegen und das möglichst tief. Die Schrauben handfest anziehen, in die Mitte reindrücken und die Falten rausnehmen.

Danach kann man nach kann man je nach Geschmack und musikalischer Anforderung noch eine 1/8 bis eine ¼ Umdrehung anziehen. Auch hier kann man das Resofell etwas höher stimmen. Da Floor Toms heute ähnlich tief klingen sollen, kann man das da auch anwenden. Das Gleiche gilt auch bei der Dämpfung. Ich verwende gerne vor gedämpfte Felle. Man kann auch mit Handtüchern, Decken oder speziellen Dämpfkissen verwenden. Den ganz ohne Dämpfung wird man hier nicht auskommen. Dämpfen ist sowieso ein sehr individuelles Thema.


Schlagzeug stimmen – Spezialstimmungen


Manchmal kann man aber auch auf zusätzliche Dämpfung verzichten. Insbesondere bei der Snare. Da gibt es nämlich eine Trockenstimmmethode. Die wird unter anderem von Udo Masshoff propagiert. Ich kenne das jedoch von Manni v. Bohr, der mir diese Methode in den späten 90er Jahren gezeigt hat.
Ich verwende sie oft im Unterricht und immer dann, wenn ich schnell zwischen unterschiedliche Sounds wechseln will bzw. muss. Im Video gehe ich darauf ausführlich ein. Entscheide selbst, ob das für dich passt. In meinen persönlichen Projekten verwende ich diese Methode allerdings eher selten. Ich mag es lieber offen. Das ist aber, wie gesagt, Geschmackssache und hängt von der Musik ab.

Zu den unterschiedlichen Fellen erzähle ich im Video einiges. Und in diesem Beitrag zeige ich, wie man seine Snare klanglich aufwerten kann. Das soll es für dieses Mal zum Thema  Schalgzeug stimmen gewesen sein. Nächstes Mal gibt’s dann wieder eine Lesson.

Bis dahin wünsche ich viel Spaß mit dieser Lesson und nicht vergessen…

START DRUMMING! LG, Jürgen

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